Mythos Weinkorken: 5 Irrtümer und Wahrheiten

Mythos Weinkorken: 5 Irrtümer und Wahrheiten

Um den Weinverschluss – vor allem den Weinkorken – ranken sich seit jeher Gerüchte und Irrtümer. Sind Naturkorken nun gut oder schlecht? Verändern sie den Geschmack des Weines oder nicht? Wir haben uns einige Irrtümer herausgesucht und bringen ein wenig Licht ins Dunkel.

Korken ist nicht gleich Korken

Eins vorweg: Weinkorken können aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Nur noch recht selten wird tatsächlich Naturkorken genutzt. Viel häufiger kommen Press- oder Plastikkorken vor. Naturkorken stammen von Korkbäumen (Korkeichen), die jedoch ungefähr 20 Jahre zum Wachsen benötigen, bevor daraus verwertbare Weinkorken hergestellt werden können. Zudem haben mittlerweile andere Korkprodukte Priorität, sodass Naturkorken immer seltener werden. Presskorken entstehen aus den Resten der Korkproduktion. Plastikkorken haben den großen Nachteil, dass Weichmacher benötigt werden, da er sonst spröde wird, doch die haben wirklich nichts im Wein verloren.

5 Irrtümer und Wahrheiten über Weinkorken

Müssen für Naturkorken Korkeichen gefällt werden?
Nein, von den Korkeichen wird lediglich die Rinde abgeschält und das auch nur alle neun bis zwölf Jahre. So lange dauert es nämlich, bis sie so dick ist, um daraus tatsächlich Korken herzustellen. Gefällt werden die Bäume also nicht, d.h. auch der Mythos, dass die Korkeichen langsam aussterben, stimmt demnach nicht. Der Prozess ist zwar sehr natürlich, doch eben auch sehr langwierig. Bis eine Korkeiche zum ersten Mal „geerntet“ werden kann, dauert es 20 Jahre. Alternative Verschlüsse wie Kunststoffkorken oder Drehverschlüsse waren also notwendige Erfindungen.

Naturkorken verursachen Fehlaromen im Wein
In früheren Zeiten konnte das durchaus zutreffen, heute kommt es eher selten vor. Das lag dann unter anderem an Chlorverbindungen, z.B. aus Reinigungsmitteln, die mit anderen Stoffen, etwa Schimmelpilzen, reagierten. Kleinste Rückstände beeinträchtigten bereits den Geschmack. In den vergangenen Jahren hat sich in der Forschung und beim Umgang mit den Weinen jedoch viel getan, sodass der typische Korkgeschmack heute weitestgehend eliminiert wurde. Hier und da treten dennoch manchmal Fehlaromen auf. Die müssen aber nicht unbedingt auf den Korken zurückgehen.

Weinflaschen mit Korken immer liegend lagern!
Das stimmt nicht so ganz, denn so kommt der Wein ja erst recht mit dem Korken in Kontakt. Eigentlich ist daher eine stehende Lagerung sinnvoller. Allerdings ist es auch weniger die Lagerung selbst als vielmehr die Umgebung, die Einfluss hat. Das wichtigste bei der Weinlagerung sind konstante Klimabedingungen. Gibt es starke Schwankungen, können sich Naturkorken stärker ausdehnen und wieder zusammenziehen, was sie letztlich undicht macht. Also: Für konstante Temperaturen sorgen – egal, ob die Flaschen stehen oder liegen.

Eigentlich ist der Verschluss doch egal, oder?
Per se kann man das nicht unterschreiben, denn natürlich gibt es Unterschiede. Der Vorteil des Naturkorkens ist, dass er luftdurchlässig ist und so der Wein weiteratmen und reifen kann. Eine Eigenschaft, die man vor allem bei Rotweinen schätzt. Was viele nicht wissen: Auch bei allen anderen Verschlüssen, z.B. Drehverschluss oder Glasstopfen, reifen die Weine weiter – nur eben langsamer. Das geht, weil die Weine nicht luftdicht verschlossen sind, sondern sich immer eine Luftblase zwischen Wein und Verschluss befindet. Das sorgt für die weitere Reifung.

Naturkork ist vergleichsweise teuer
Bedenkt man, wie lange eine Korkeiche wächst, stimmt das. Allerdings erhält man ein reines Naturprodukt mit guten Eigenschaften. Hinzu kommt, dass Naturkork leicht recyclebar ist und nach seinem Leben als Weinverschluss einer neuen Aufgabe zugeführt werden kann, z.B. als Teil einer Pressdämmmatte oder sogar als Presskorken.