Gutedel: Ein Wein aus den ältesten Rebsorten der Welt

Gutedel: Ein Wein aus den ältesten Rebsorten der Welt

Die Rebsorte Gutedel wird sowohl für die Weißwein- als auch für die Tafeltraubenproduktion angebaut. Die Triebe der Reben sind kahl und rötlich, während die Ranken auffallend lang sind. Die Blätter sind hellgrün und mittelgroß, fünflappig und tief eingekerbt. Die Beeren sind je nach Sorte grünlich-gelb oder rot. Vor allem wegen ihres saftigen bis knackig-süßen Geschmacks und ihrer dünnen, aber festen Schale, sind die Gutedeltrauben Tafeltrauben sehr gefragt.

Da die Gutedel-Traubensorte von guter Qualität ist und relativ früh reift, wird sie oft mit anderen Rebsorten gekreuzt. Kreuzungen und Mutationen haben zur Entwicklung zahlreicher Sorten und Varietäten geführt, wie z.B. goldgelber Gutedel, roter Gutedel, rissiger Gutedel, königlicher Gutedel und schlitzblättriger Gutedel.

Gutedel: Eine Rebsorte mit vielen Namen

Der Gutedel ist weltweit unter zahlreichen Synonymen bekannt: In Frankreich und der Romandie heisst er Chasselas, im Schweizer Kanton Wallis heisst er Fendant. In Österreich ist die Rebsorte auch unter dem Namen Junker bekannt. Weitere Namen sind Schönedel und Moster, Pleminka und Biela, Praskava.

Ursprung, Geschichte und Bedeutung der Rebsorte Gutedel

Bereits vor 5000 Jahren soll der Gutedel im alten Ägypten kultiviert worden sein. Von dort sollen die Römer die Rebsorte nach Europa gebracht haben. Diese Informationen beruhen jedoch weitgehend auf Vergleichen des Erscheinungsbildes mit Blattdarstellungen auf altägyptischen Wandmalereien. Sie sind daher nicht sicher. Andere Quellen belegen die Heimat von Gutedel im Jordantal in Palästina, in der Gemeinde Chasselas in Frankreich und in Spanien.

DNA-Analysen konnten keine eindeutige Herkunft nachweisen. Die Untersuchungen deuten jedoch nicht darauf hin, dass die Rebsorte ihren Ursprung in Ägypten hat, sondern in der Westschweiz.
Sicher ist, dass die Chasselas-Reben 1523 von Konstantinopel, wo sie lange Zeit kultiviert wurden, nach Fontainebleau und Burgund in Frankreich gebracht wurden. Von dort aus soll sich die Rebsorte weiter in der Westschweiz verbreitet haben.

Die wichtigsten Anbaugebiete des Gutedel

Der Gutedel gedeiht bereits an durchschnittlich guten Standorten. Er benötigt tiefe und fruchtbare Lehm-, Löss-, Mergel- oder Kalkböden, die nicht zu trocken sein sollten. Die Reben gedeihen sehr gut bei kühlen, nächtlichen Winden und heißen, trockenen Sommertagen. Allerdings sollten die Reben vor zu kalten Winden geschützt werden. Der Gutedel ist relativ anfällig für Traubenwickler- und Stiellähmungen, sowie für Rotfackel und Peronospora.

Die größten Anbauflächen liegen in der Schweiz, weshalb die Rebsorte hier für den Weinbau von großer Bedeutung ist. In Deutschland ist das Hauptanbaugebiet das Markgräflerland in Süddeutschland. Hier werden rund 1’100 Hektaren angebaut. Weitere Anbaugebiete befinden sich in Saale-Unstrut, Sachsen, Pfalz und Rheinhessen – hier allerdings in wesentlich kleinerem Maßstab. Die Gutedel-Traube wird auch in Rumänien, Ungarn und der Tschechischen Republik angebaut.

Als Tafeltraube ist die Gutedeltraube weltweit verbreitet, verliert aber durch bessere neue Sorten immer mehr an Bedeutung.

Entwicklung & Geschmack

Der Gutedel wird hauptsächlich trocken ausgebaut und zu leichten, schmackhaften und fruchtigen Weißweinen von hellgelber Farbe verarbeitet. Mit alten Rebstöcken, besten Bedingungen und sorgfältiger Verarbeitung können aber auch sehr anspruchsvolle Qualitätsweine erzeugt werden, die manchmal durch eine schöne Mineralität und eine ausgezeichnete Ausgewogenheit von Frucht und Struktur beeindrucken.

Gutedel-Weine zeichnen sich durch einen eher geschmacksneutralen Charakter aus. So kommen Klima, Boden und Anbaulage der Reben in ihnen unverkennbar zum Ausdruck. Das Bukett ist nicht sehr ausgeprägt. Es zeigt Aromen von Mandeln und Bittermandeln, aber auch von Minze und Apfel. Aufgrund ihres niedrigen Säuregehalts gelten Gutedel-Weine als sehr mild und bekömmlich.

Dazu passt der Gutedel

Aufgrund seines niedrigen Säuregehalts ist Gutedel nicht lange lagerfähig und wird daher meist als Jungwein getrunken. Nur wenige gehobene Qualitätsweine haben ein Alterungspotenzial von einigen Jahren. Der Wein ist ein schöner Begleiter zur leichten Küche, z.B. zu Fischgerichten und Meeresfischen, aber auch zu milden Käsesorten und zu Snacks. Aber auch einfach so ist der Gutedel ein leichter Genuss.