Weinernte 2021: Interview mit Geschäftsführer Hans-Albrecht Zieger

Weinernte 2021: Interview mit Geschäftsführer Hans-Albrecht Zieger

Die Trauben sind gelesen, der Saft zur Reifung in den Keller gebracht – die letzten Wochen waren sehr ereignisreich bei der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut. Wie lief das Weinjahr 2021? Worauf können sich die Weinliebhaber mit dem kommenden Jahrgang freuen? Geschäftsführer Hans-Albrecht Zieger berichtet im Interview von der diesjährigen Ernte.

  1. Die Ernte in der Region Saale-Unstrut ist inzwischen beendet. Wie haben der diesjährige Frühling und Sommer den Ertrag beeinflusst?
  2. Anfang Februar versank die Weinregion im Schneechaos mit Höhen von bis zu 40 Zentimeter. Seit 10 Jahren gab es nicht mehr solche Mengen. Der darauffolgende Frost spielte hart mit unseren Reben mit, dessen Schäden erst im Frühling vollumfänglich erkennbar wurden. Wegen des wechselhaften Wetters – Schnee, Frost, Regen und Sonne – bis in den April hinein, begann das sogenannte Bluten der Reben erst Ende März. Auch ein spätes Wollestadium und Knospenaufbruch trat in vielen Rebanlagen auf. Der Austrieb begann sehr zögerlich, sodass erkennbar wurde, dass die harten Winterfröste bei Spät- und Weißburgunder, Müller-Thurgau und Portugieser Schäden verursacht haben.

  3. Wie zufrieden sind Sie nach derzeitigem Stand mit den geernteten Trauben?
  4. Nach diesen Wetterextremen sind wir insgesamt gesehen mit der Ernte dennoch zufrieden. Leider hat es manches Weingut jedoch furchtbar durch die tiefen Winterfröste getroffen. Insgesamt sind recht hohe Säurewerte bei den Trauben zu verzeichnen. Die Mostgewichte liegen dennoch überwiegend im Qualitätsweinbereich. Für unsere Weinregion wird die Erntemenge auf 44 hl/ha geschätzt, leider liegen wir damit im unteren Bereich.

  5. Welche Herausforderungen mussten Sie 2021 bei der Ernte bewältigen?
  6. Vor allem der frühe Lesebeginn in Folge der reichlichen Niederschläge im August stellte uns vor große Herausforderungen. Um möglichst gesunde Trauben zu ernten, mussten wir hier rasch handeln. Das hat zu Beginn der Ernte einige Schweißperlen verursacht. Zum Glück ging am Ende jedoch alles gut. Gerade der kühle und feuchte Sommer hat eine deutlich höhere Säure in den Trauben hinterlassen. Da war das Händchen der Kellermeisterin gefordert, um die gewohnt ausgewogene Struktur unserer Weine halten zu können. Das kostete natürlich ein paar Extrastunden im Keller. Aber auch hier sind wir auf einem guten Weg.

  7. Lassen sich schon erste Prognosen zu den kommenden Weinen stellen? Wenn ja, worauf können sich Weingenießer besonders freuen?
  8. Die Weine präsentieren sich mit einer starken Frucht und einem eleganten Körper. Dabei sind sie klar und knackig. Sie unterstreichen den ursprünglichen Gebietstyp, der sich durch die letzten heißen Jahre vorübergehend verändert hatte. Insgesamt erwartet uns ein guter Qualitätsweinjahrgang. Frische fruchtige Tropfen mit moderatem Alkohol versprechen einen unkomplizierten Trinkgenuss.